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67 Jahre Nakba - 67 Jahre Vertreibung

Presseerklärung 

Berlin, 14.Mai 2015 - Die „Nakba“ ist für die Palästinenser die größte Tragödie in ihrer Geschichte. Übersetzt bedeutet das Wort so viel wie „Katastrophe“ oder „Unglück“ und erinnert an die Vertreibung hunderttausender Palästinenser nach der Gründung Israels.
 
Der 14. Mai 1948: Was die Israelis als Beginn der Geschichte des eigenen Staates feiern, bedeutet für die Palästinenser eine Katastrophe (Nakba). Nakba symbolisiert die gewaltsame Vertreibung der palästinensischen Zivilbevölkerung aus ihren Häusern, Dörfern und ihrem Land, ihre Enteignung, den Raub ihrer wirtschaftlichen und natürlichen Ressourcen, die Verdrängung oder Auslöschung ihrer Geschichte, die systematische Diskriminierung der im Gebiet des heutigen Israel verbliebenen Menschen.

Im Zuge der Staatsgründung Israels 1948 wurden drei Viertel der arabischen Bevölkerung Palästinas vertrieben. Mit Einschüchterungen, Massakern  und Angriffen auf Dörfer und ZivilistInnen. In Deir Yassin trieben die militärischen Verbände der zionistischen Bewegung die einheimische arabische Bevölkerung systematisch aus ihren Dörfern. Mit einem Schlag wurden rund 800 000 Menschen entwurzelt. 
 
In den Jahren nach der Staatsgründung versuchte die zionistische Armee die Spuren der arabischen Gesellschaft weitestgehend auszulöschen. Über 500 Dörfer wurden zerstört, Straßen und Dorfnamen umbenannt und die Vertriebenen enteignet. Auch den Palästinensern, die als intern Vertriebene innerhalb der neuen israelischen Grenzen lebten, wurde der Zugang zu ihren Häusern und Dörfern verweigert. Die neuen Tatsachen wurden durch verschiedene Gesetze zementiert. 

Zur Vertuschung der ethnischen Säuberung wurden verschiedene Mythen gebildet. Es hieß, die Palästinenser seien freiwillig gegangen oder von arabischen Nachbarstaaten zur Flucht aufgefordert worden. Auch der alte Mythos vom "Land ohne Volk für ein Volk ohne Land" oder der "Wüste, die zum Erblühen gebracht wurde", sollte helfen, die Vertreibung zu leugnen. Diese Behauptungen halten historischen Fakten nicht stand.
 
Immer noch sind die Folgen der Nakba unter den Palästinenser allgegenwärtig. Nach UN Angaben sind 43 Prozent der Palästinenser in den besetzten Gebieten Vertriebene. Im Gazastreifen sind es sogar Zweidrittel der Gesamtbevölkerung. Palästinensische Vertriebene leben auch massenhaft in Jordanien sowie in Flüchtlingslagern in Syrien und im Libanon. Im Libanon etwa müssen viele immer noch in Flüchtlingssiedlungen leben. Ihnen bleiben staatsbürgerliche Rechte oft verwehrt.
 
„Es ist bedauerlich, dass die Weltöffentlichkeit und besonders die Bundesregierung  gegenüber diesem Unrecht schweigt und nicht das Recht auf menschenwürdige Behandlung und das legitime Recht auf Rückkehr der Palästinenser fordert", beschreibt Suhail Abu Shammala, Vorsitzender der Palästinensischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. das Handeln der Bundesregierung und fordert von dieser „ihrer politischen Verantwortung gegenüber jedem Flüchtling gerecht zu werden und sich für ihre elementaren Menschen- und Bürgerrechte einzusetzen.“